Prof. Dr. Hermann Josef Schmidt (Dortmund)
Im Saalestrudel
oder ein Selbsttötungsversuch des vierzehnjährigen Nietzsche?

aus: Aufklärung und Kritik 2/2002 S. 150-155


Jena.
Verstimung.
(II 161).
(1)


Die abrupte Verpflanzung des dreizehnjährigen Nietzsche nach Pforte am 5. 10. 1858 hatte fast zu einem Erliegen der so reichhaltigen poetophilosophischen Produktion geführt. Im April 1859 freilich ein Paukenschlag: eine erstmalige, wenngleich noch scheiternde Rebellion des Prometheus gegen Zeus.(2) Im Mai und Juni wieder zahlreiche Gedichte, darunter erstmals mehrere Todessehnsucht atmende Waldgedichte (I 77-83 bzw. I 2, 56-66), auf winzige Zettelchen gekritzelt, die der Junge wohl wie atropäische Zaubersprüche bei sich trug.(3) Wer hätte das erwartet?

Noch erstaunlicher vielleicht ein Ereignis gegen Ende der ersten so sehnlich erwarteten "Hundstagsferien", ein Ereignis, das, nur aus heterogenen Zeugnissen rekonstruierbar, vielleicht einen genaueren Blick nicht nur auf die Befindlichkeit dieses Vierzehnjährigen, sondern auch auf dessen literarische Techniken und zumal auf seine Verbergungsstrategien (ebenso wie die seiner Schwester) erlaubt.

Die Jenaer Ferientage selbst sind von Nietzsche mehrfach bearbeitet: in einem Prosatext In Jena (I 114f. bzw. I 2, 95-97), der in leise veränderter Form dann auch als die vierte und als Anfang der fünften Episode von "Aus den Hundstagsferien", einer Einlage in das Pforta-Tagebuch, wiederkehrt (I 146-49 bzw. I 2, 128-131), in einem Briefentwurf (B I 1, 69) und einer poetischen Epistel (I 111-113 bzw. B I 1, 69-71) mit dem Dank für die Ferientage beim Onkel, der als ‘alter Herr’ den Jungen zu seiner Verbindung Teutonia mitnahm, was Fritz ungeheuer imponierte (und vielleicht noch Bonner Spätfolgen zeitigte), mit ihm wanderte und in der Saale schwamm... Doch ob Fritz sich ihm auch mit seinen Problemen eröffnete?

Aufschlußreicher als Nietzsches eigene, glatte Texte samt der poetischen Epistel in 75 freien Versen

Dann muß ich die Saale
Im lieblichen Thale
Pflichtmäßig beloben
Den Himmel auch droben
Der nie uns bedrohte <...>
Die lieblichen Nicht’gen
Muß ich noch erwähnen
In diesem Gedicht’gen
Sind Fluthen von Thränen
Von ihnen vergossen? —

(I 112f. bzw. I 2, 71)

sind vielleicht Zeilen von Schwester Elisabeth

Mein Bruder <...> rühmte das herrliche Schwimmen in der Saale, welche dort ziemlich reißend ist und beinahe ein schreckliches Unglück hervorgerufen hätte. Mein Bruder hat es nur andeutend erzählt, aber der Onkel theilte mir noch kürzlich mit, welchen furchtbaren Schrecken er damals gehabt habe: Fritz sei in einen Strudel gerathen, habe, ohne nach Hülfe zu rufen, versucht allein durchzukommen, und nur durch Zufall entdeckte der Onkel die Gefahr und rettete ihn, als er schon halb bewußtlos war. – (4)

Wie gut daß der Onkel...? Oder übertrieb Elisabeth? Nietzsche selbst läßt allenfalls etwas ahnen:

Jena selbst hat mehere Reize. Ich will hier nur eine vorzügliche Badeanstalt erwähnen, die ich auch häufig benutzte.
In Jena. (I 115 bzw. I 2, 97.)

Mittag gingen wir zur Badeanstalt und schwammen da in Begleitung eines Kahnes die Saale hinauf, was sehr anstrengt. Dann mundete auch das treffliche Mittagbrod vorzüglich.
Aus den Hundstagsferien. IV. (I 147 bzw. I 2, 130.)

Nur dann? Also hat Elisabeth übertrieben? Sosehr sogar, daß sie diese Nachricht in ihre zweite Biographie nicht mehr aufnahm? Oder paßt erst ihre Schilderung wieder einmal irritierend gut zu unseren Spurenleserobservationen? "in einen Strudel gerathen": war Nietzsche das nicht schon als Vierjähriger 1848/49 in Röcken, als sein Pastorenvater, sein höheres und anfangs mit Gott gleichgesetztes Ich, der erste Übermensch, den das Kind kennenlernte, trotz allen Betens so schrecklich leiden und weinend sterben mußte? Und "ohne nach Hülfe zu rufen"? "Mittlerweile", hätte Nietzches Schwester hinzufügen müssen, denn Nietzsches frühe Gedichte waren auch Hilferufe: doch Nietzsches Mutter konnte sie wohl nicht entschlüsseln; und die meisten Interpreten wollten es nicht. Und wenn sie es doch gekonnt oder gewollt hätte(n), dann hätte(n) sie es nicht gewagt, denn allzuviel an mühsam Verdrängtem wäre dann wohl aufgebrochen... So "versucht" er wieder einmal "allein durchzukommen" und müht sich ab, bis "er schon halb bewußtlos war". Eine Kurzbeschreibung von Nietzsches Leben? Der Onkel rettete uns noch Fritz, der sich möglicherweise schon aufgegeben hatte, und damit Nietzsche. Doch wen retteten Franz Overbeck und Nietzsches Mutter 1889?

Und doch. Das Skizzierte wäre zwar deprimierend genug, trifft aber leider wohl nicht einmal die halbe Wahrheit. Wären die letzten zwei, drei Monate vor dieser Strudelerfahrung von Fritz nicht diejenigen Monate gewesen, in denen er klarer als je zuvor Todeswünsche äußerte und poetisch abarbeitete, könnte man noch an Zufall glauben. Weniger an den Zufall, der Fritz vom Onkel gerettet sein ließ, sondern an den Zufall des Ereignisses selbst: der Onkel dürfte Fritz deutlich genug gewarnt haben, doch Fritz hat ‘es’ versucht, hat ‘sich’ versucht, hat vielleicht eine Situation, um sein Leben kämpfen zu müssen (oder zu dürfen), aufgesucht, arrangiert. Oder eine Situation, die ihm, der schließlich nicht zu Unrecht(5) seit seiner Kindheit von der Angst besessen war, blind zu werden oder so erbärmlich wie sein Vater sterben zu müssen, einen Abschied ermöglichte, der ihn nicht als Selbstmörder aktenkundig machte? Ist er – halb schwamm er hin, halb zog es ihn – , der von früh auf in seinen Dichtungen zum Wasser einen besonderen Bezug hatte, erst beim Schwimmen auf seine Chance aufmerksam geworden? Hat er (s)eine Lebensbilanz gezogen? Was hatte er denn noch zu verlieren? Seine Mutter und Schwester, deren Trumpfkarte er war? (Würden wir Ecce homo glauben, so ginge sein Bedauern über Höflichkeitsrituale kaum mehr hinaus.) Seine Jugend? War sie nicht ein ständiger Kampf unter ihn benachteiligenden Bedingungen? Hatte er nicht jedwede Heimat verloren? Und griff nicht sogleich, wenn er sich zu stabilisieren schien, die Außenwelt ein: wie noch jüngst mit der Verpflanzung nach Pforta? War er einfach erschöpft? Müde?

Oder gab es noch andere Probleme? Hier er; dort die hübschen Nichten? Nach dem vielleicht erst wenige Wochen zurückliegenden Italienfragment (I 74 bzw. I 2, 53) war ja, nachdem "ich" Italiens "milde holdselige" Frauen "sah", einiges zu kühlen gewesen. Der Saale kühler Strand ist – auch von Fritz; vielleicht sogar im Pförtner Damenchor, in dem er 1859 noch sang – oft genug traktiert worden; und Saalewasser dürfte meist abkühlend sein. In ihm konnte Fritz statt im Walde sein stilles Grab finden (I 77, 78 bzw. I 2, 57f.) und "wahre Ruh" (I 78, vgl. 452, bzw. I 2, 58) "erlangen".

Gibt es Aussagen zur Gefährlichkeit damaligen Badens in der Saale bei Jena? Christoph Gotthilf Salzmann:

A. Hm! aber ereignet sich denn nicht bisweilen der Fall, daß Leute ersaufen?

B. Ei ja wohl! das ist sonst in Jena gar vielmal geschehen. Seit einiger Zeit lassen aber die Herren Professoren jährlich einen Haloren von Halle kommen, und die ganze Saale untersuchen. Wo nun der Halore ein tiefes Loch findet, da lassen sie zur Warnung an das Ufer einen Pfahl hinsetzen, und daran schreiben: "hier ist es gefährlich, sich zu baden!" Seit der Zeit ist niemand zu ertrunken als – wer es sich vorgenommen hatte, zu ertrinken.(6)

Wäre Fritz das seit langem erste Saaleopfer gewesen? Oder hatte Elisabeth 1895 wieder einmal immens übertrieben? Gründliche Leser früher Nietzschetexte könnten sich freilich an für 1859 zutreffende Stichworte eines tabellarischen Lebensrückblicks (etwa aus dem Oktober 1862) erinnern:

Wehmut. Ohne Heimat
Versuch einer Novelle
<unleserlich!!>
Jena.
Verstimmung.
Geburtstag Tod des Großvaters. (II 116).

"Wehmut", ein altes Wort für "Depression", dürfte auf die grabessüchtigen Waldlieder gemünzt gewesen sein. "Ohne Heimat" (I 121f. bzw. I 2, 103-05) ist der Titel eines Gedichts von Anfang August 1859. Die Novelle ist Capri und Helgoland (I 99-106 bzw. I 2, 84-90) wohl aus dem Juli 1859; der Tod des Großvaters ereignete sich am 17. 12. 1859. So wäre es wichtig, das Wort vor "Jena." zu entziffern. Genügt es?

Doch nun erst der vielleicht entscheidende Punkt: Fritz war laut einer Information, die Elisabeth erst 1912 in ihrer zweiten Biographie anbietet, bei Professor Schillbach in Jena, der vor allem Nietzsches Augen untersuchte.(7) Wir haben davon auszugehen, daß dieser Arztbesuch bei dem ersten Jenaer Ferienaufenthalt (d.h. Juli 1859) erfolgte, ja dessen eigentlicher Grund war; und sehen wieder einmal, daß weder Nietzsche selbst noch seine Schwester davon die geringste Andeutung gaben. Erst als Paul Deussens Erinnerungen vorlagen, mußte auch Elisabeth Stellung beziehen. Ein – das? – Ergebnis der Untersuchung kennen wir in zwei unterschiedlichen Härtegraden: Schwester Elisabeth bietet die vermutlich apologetische Version, Schillbach habe Nietzsches Augenprobleme mit den schlechten Lichtverhältnissen der Pforte erklärt, weshalb der Pförtner Schularzt erbost gewesen sei und die zahlreichen Krankheiten Nietzsches falsch diagnostiziert habe; so konnte ein ärgerlicher Eintrag in das Pförtner Krankenbuch entschärft(8) werden. Deussen hingegen berichtet, daß der Arzt Nietzsche sogar "auf die Möglichkeit hinwies, im höhern Alter einmal ganz zu erblinden."(9) Ob Fritz seinem Schulfreund Paul jedoch alles erzählte, was der Arzt ihm sagte?

Doch genügt nicht bereits diese Information? Können wir uns ausmalen, wie der Röckener Horrorfilm(10) des schmerzgepeinigten, zeitweilig blinden, schreienden, sabbernden, Urin und Kot nicht mehr kontrollierenden Vaters, der schrecklichen Gestalt hinter Nietzsches Stuhl (und wohl auch hinter seinem ganzen Leben; V 205) vor Fritz ablief, wie er die nächste Nacht verbrachte? War da der Strudel der Saale nicht nur äußeres Symbol für ein sich seit Jahren anbahnendes inneres Geschehen?

Für kriminalistische Spurenleser bedarf es nur noch der Daten der Arztbesuche in Jena und des Strudelunfalls, um mehr zu verstehen. Was würde es z. B. im Blick auf Nietzsches Ängste bedeuten, wenn er schon vor seinem Besuch bei Schillbach in den Strudel geraten wäre? Und was könnte Elisabeth berichten, wenn sie gewollt hätte; und verraten, wenn sie sich irgendwo ausgesprochen hätte und davon Notizen überliefert wären?

Sollte die These nicht abwegig sein, Nietzsche arbeite in seinen poetischen Texten nicht zuletzt seine Verletzungen, seine Leidens- ebenso wie seine Freudengeschichten auf, so müßten sich Spuren finden lassen.

Nun gibt es in Nietzsches Nachlaß eine "Naumburg 24.12.60." unterzeichnete Sammlung von 10 Gedichten (I 223-29 bzw. I 2, 217-25), die ich als Nietzsches Weihnachtsgeschenk an seine Mutter interpretiere. Die Sammlung enthält mehrere nachweislich falsche Datierungen: Heimweh ist nicht von 1858, sondern das Gedicht Abendläuten von 1859, Mailied ist nicht von 1857, sondern von Frühjahr 1859 und auch Weihnachten ist nicht von von 1856, sondern aus dem Sommer 1858. Soll diese Nietzscheunübliche Fehldatierungsserie verdecken, daß auch das erstmals wohl hier gebotene Gedicht Verzweiflung nicht von 1860 stammen muß, sondern aus der zweiten Jahreshälfte und vielleicht sogar aus dem Juli 1859 stammen könnte?

Verzweiflung.

Von ferne tönt der Glockenschlag;
Die Nacht sie rauscht so dumpf daher.
Ich weiß nicht, was ich thuen mag.
Mein Freud ist aus, mein Herz ist schwer.

Die Stunden fliehn gespenstisch still,
Fern toßt der Welt Gewühl, Gebraus.
Ich weiß nicht, was ich thuen will.
Mein Herz ist schwer, mein Freud ist aus.

So dumpf die Nacht, so schauervoll
Des Mondes bleiches Leichenlicht!
Ich weiß nicht, was ich thuen soll.
Wild rast der Sturm, ich hör ihn nicht.

Ich hab nicht Rast, ich hab nicht Ruh.
Ich wandle stumm zum, Strand hinaus
Den Wogen zu, dem Grabe zu!
Mein Herz ist schwer, mein Freud ist aus.

(I 224f. bzw. I 2, 219f.)

Ein problemblinder Interpret wird hier allenfalls eine Gretchenparaphase finden; und weiterblättern. Doch ein Nietzscheleser? Gibt dieses Gedicht Nietzsches frühsten Kommentar zu "Jena. Verstimmung."? Gibt es eine auch nur halb so plausible Gegenhypothese?

Doch nun ganz unabhängig davon, ob Fritz lebensmüde war oder nicht, als er in den Saalestrudel geriet, und auch unabhängig davon, wie es zu bewerten sein mag, daß er nicht um Hilfe rief, sondern – wieder einmal? – versuchte, "allein durchzukommen": was für Erfahrungen könnte er als Beinahe-Ertrunkener gemacht haben? Die Erfahrung, daß der Tod weniger zu fürchten ist als manches Leben? Könnte er bereits den rauschartigen Zustand erreicht haben, der oft als Folge des Beinahe-Ertrunkenseins kolportiert wird? Was würde das für Nietzsche bedeuten? Daß er seine Angst vor dem Wasser verliert? Gewiß; doch was außerdem? Daß er eine Erfahrung der Nachbarschaft von Tod und Rausch sowie von Tod, Rausch und Musik gemacht haben könnte? Wie mag es in seinen Ohren geklungen haben, als er "schon halb bewußtlos war"? So ähnlich wie in Röcken, als sein Vater am Klavier improvisierte? Oder wie am Rathausplatz in Naumburg, wenn er mit Gustav Krug Wagnermelodien spielte? Hängen Nietzsches spätere Wagnerleidenschaft – "Versinken – ertrinken" (II 32 bzw. I 2, 369) fast als Tristan-Dauerthema – und (s)eine Todeserfahrung im Saalestrudel zusammen? Wie mag sich nach den vier innerfamiliären Todesfällen – der Vater 1849, das Brüderchen 1850, Tante Auguste 1855, Großmutter Erdmuthe 1856 – diese neuerliche Todeserfahrung ausgewirkt haben?

Direkt dazu geäußert hat sich weder Fritz noch der spätere Nietzsche noch ein Biograph.

Doch vielleicht gibt sich ein vierzehnjähriger Poet am 11. August 1859, etwa zwei Wochen nach einer Rückkehr aus Jena, bereits in der Abschlußstrophe des ersten bekannt gewordenen Gedichts nach den Hundstagsferien selbst eine vielleicht nicht lebens- doch denklang geltende Antwort:

Daß ich einst soll sterben,
Küssen muß den herben
Tod, das glaub ich kaum:
Zum Grabe soll ich sinken
Und nimmermehr dann trinken
Des Lebens duft’gen Schaum?
Heidideldi!
Verlaß mich nie!
Mein Glück, du bunter Traum!

(I 122 bzw. I 2, 105.)

Erstabdruck in: Palmbaum. Literarisches Journal aus Thüringen. 8. Jahr / 2000 / 1. Heft: Zum 100. Todestag von Friedrich Nietzsche. Jena: Quartus Verlag, 2000, S. 15-23. [Zusatz 23.4.2002: Dokumente und Informationen incl. Aufnahmen von Emil Schenk, Ernst Ludwig Schillbach, der Kunitzburg, Studenten im Jenaer Karzer (1859) usw. nun bei Jens-Fitje Dwars und Kai Agthe: "Ich suchte meine schwerste Last, da fand ich mich." Nietzsche in Jena. Ausstellung im Jenaer Romantikerhaus 15.10.-30.11.2000. Jena: Quartus Verlag, 2000, S. 27-34; zu Nietzsches erstem "Besuch in Jena Juli/August 1859" vgl. auch Kai Agthe: "Ich suchte meine schwerste Last, da fand ich mich." Friedrich Nietzsche in Jena. In: Palmbaum, a.a.O., S. 26-28.]

Anmerkungen:

(1) Nietzsche wird zitiert nach den derzeit besten Editionen: Kritische Gesamausgabe Werke (1967ff.) bzw. Briefwechsel (1975ff.) nach Abteilung, Band und Seite (z.B. I 1, 259f. bzw. B I 1, 288); bei Texten, die in der Historisch-kritischen Gesamtausgabe Werke (1933-42) erschienen sind, nach der HKG auch nach Band und Seite (z.B. I 433f.) und in Ausnahmefällen nach deren Briefbänden (z. B. B I 430). Abbildungen der für den frühen Nietzsche zentralen Orte in Dreßler, Roland, Hermann Josef Schmidt und Rainer Wagner: Spurensuche. Die Lebensstationen Friedrich Nietzsches 1844-1869. Erfurt, 1994.
Die Skizze stellt eine veränderte Fassung dar von "Blicke hinter den Vorhang: ‘Hundstagsferien’ oder ‘in einen Strudel gerathen (...) ohne nach Hülfe zu rufen’." in: Nietzsche absconditus oder Spurenlesen bei Nietzsche. II. Jugend. Interniert in der Gelehrtenschule: Pforta 1858 bis 1864 oder Wie man entwickelt, was man kann, längst war und weiterhin gilt, wie man ausweicht und doch neue Wege erprobt. 1. Teilband 1858-1861. Berlin-Aschaffenburg, 1993, S. 434-38.

(2) Ein Theaterstück Prometheus mit zwei erstaunlichen Anhängseln (I 62-73 bzw. I 2, 36-51); vgl. Nietzsche absconditus. II. Jugend. 1. Teilband 1858-1861. 1993, S. 317-87.

(3) Vgl. Ebenda, S. 402-11.

(4) Elisabeth Förster-Nietzsche: Das Leben Friedrich Nietzsche’s. Erster Band. Leipzig, 1895, S. 155.

(5) Man berücksichtige, daß Nietzsche schon im Winter 1857/58 wegen Kopfschmerzen offenbar wochenlang vom Schulbesuch des Naumburger Domgymnasiums dispensiert war (I 30 bzw. I 1, 310), etwa 10% seiner Pförtner Zeit in der Krankenstation verbrachte und darüber hinaus aus schulischem Ehrgeiz die Krankenstation mehrfach mied; und man übergehe auch nicht die aufschlußreichen Einträge in das Pförtner Krankenbuch (B I 340f.).

(6) Christoph Gotthilf Salzmann: Sebastian Kluge’s Lebensgeshichte. Ein Buch für das Volk. Stuttgart, 1846, S. 110.

(7) Elisabeth Förster-Nietzsche: Der junge Nietzsche. Leipzig, 1912, S. 87. Schwesterliche Verbergungs- und Problembewältigungsstrategie: jeder Band präsentiert nur einige Informationen. Erst deren Kombination in Berücksichtigung aller Texte Nietzsches führt weiter.

(8) Dazu genauer in Schmidt: Wider weitere Entnietzschung Nietzsches. Eine Streitschrift. Aschaffenburg, 25.8.2000, S. 80 ff.

(9) Paul Deussen: Erinnerungen an Friedrich Nietzsche. Leipzig, 1901, S. 10.

(10) In seiner Bedeutung für Nietzsche rekonstruiert in: Nietzsche absconditus oder Spurenlesen bei Nietzsche. (I.) Kindheit. An der Quelle: In der Pastorenfamilie, Naumburg 1850-1858 oder Wie ein Kind erschreckt entdeckt, wer es geworden ist, seine "christliche Erziehung" unterminiert und in heimlicher poetophilosophischer Autotherapie erstes "eigenes" Land gewinnt. Berlin-Aschaffenburg, 1991, S. 808-98; eine Chronik der Röckener Ereignisse in: Friedrich Nietzsche aus Röcken. Vortrag an Nietzsches 150. Geburtstag am 15.10.1994 in Röcken. In: Nietzscheforschung. Band 2. Berlin, 1995, S. 35-60.