Armin Pfahl-Traughber (Köln)

Revisionistische Behauptungen und historische Wahrheit
Zur Kritik rechtsextremistischer Geschichtsverfälschungen

aus: Aufklärung und Kritik 2/2000 (S. 84 ff.)


Vorwort:

"Hitler erklärte immer wieder seine Abrüstungs- und Friedensabsichten, er wollte keinen Krieg", "Die Juden haben Deutschland 1933 den Krieg erklärt" und "Es gibt naturwissenschaftliche Gutachten, die beweisen, dass in Auschwitz nie Juden vergast wurden." Dies sind nur drei Äußerungen, die von Rechtsextremisten seit längerer Zeit immer wieder in Büchern, Broschüren, Flugblättern, Magazinen oder Zeitungen vorgetragen werden. Mitunter gelang es ihnen dabei, Irritationen bei manchen Lesern auszulösen, welche derartigen Behauptungen zunächst einmal nichts entgegen setzen konnten.

Letzteres ist mitunter auch gar nicht so einfach, bedienen sich diese Rechtsextremisten doch einer mitunter durchaus geschickten Technik der Manipulation und Täuschung. Dazu gehören etwa

– relativierende Aussagen durch Gleichsetzungen mit anderen Untaten,
– die Herausstellung von "positiven" Aspekten des Nationalsozialismus,
– die einseitige und selektive Auswahl von Dokumenten,
– das manipulative Erstellen angeblicher "Gutachten" und
– die schlichte Erfindung von angeblichen Dokumenten und Sachaussagen.

Mit Geschichtsschreibung im wissenschaftlichen Sinne hat all dies verständlicherweise nichts zu tun. Von daher handelt es sich bei solchen Autoren auch nicht um eine Gruppe von Historikern mit lediglich abweichenden Meinungen, sondern um Rechtsextremisten mit der politischen Zielsetzung einer moralischen Entlastung des Nationalsozialismus.

Diese Darstellung will anhand von verschiedenen Beispielen die revisionistischen Behauptungen mit der historischen Wahrheit konfrontieren und damit einen Beitrag zur geistig-politischen Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus leisten. Aufgegliedert sind die jeweiligen Abschnitte nach den Gesichtspunkten "Leugnung der Kriegsschuld", "Rechtfertigung des Antisemitismus" und "Leugnung der Judenverfolgung und -vernichtung".

KRIEGSSCHULD-LEUGNUNG

Hitler und Goebbels erklärten angeblich ihre Abrüstungs- und Friedensbereitschaft

Revisionistische Behauptung: Hitler und Goebbels erklärten zwischen 1933 und 1939 in öffentlichen Reden immer wieder deutlich ihre Abrüstungs- und Friedensbereitschaft. Von daher kann ihnen eine Schuld am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges nicht zugeschrieben werden.

Historische Wahrheit: Bei derartigen Verlautbarungen handelte es sich um eine systematisch betriebene Täuschung der deutschen und internationalen Öffentlichkeit, standen doch solchen Bekundungen widersprechende Handlungen von Anfang an im Zentrum der NS-Politik. Bereits wenige Tage nach dem Regierungsantritt hatte Hitler am 2. Februar 1933 in einer geheimen Besprechung mit den Befehlshabern der Reichswehr relativ deutlich seinen Kriegskurs verkündet und dazu erforderliche Schritte eingeleitet. Hierzu gehörte auch, die Jugend und das ganze Volk auf den Gedanken einzustellen, "dass nur der Kampf uns retten kann und diesem Gedanken gegenüber alles zurückzutreten hat". In einer geheimen Denkschrift über die Aufgaben eines Vierjahresplanes vom August 1936 forderte Hitler denn auch: "Die deutsche Armee muss in vier Jahren einsatzfähig sein." Und: "Die deutsche Wirtschaft muss in vier Jahren kriegsfähig sein."

Die Abrüstungsforderungen der Hitler-Regierung richteten sich an die anderen europäischen Staaten, behauptete man doch, Deutschland habe infolge des Versailler Vertrages bereits einseitig abgerüstet und erwarte nun gleiches von den Regierungen der anderen Länder. Da so etwas nicht erfolgte, sah man sich mit dem propagandistischen Hinweis auf eine notwendige Gleichberechtigung für Deutschland zur eigenen Aufrüstung im Namen der Abrüstungsforderung legitimiert. Tatsächlich setzte die Hitler-Regierung aber nur ohnehin von Anfang an bestehende Pläne hin zu einer expansiven Außenpolitik und zu einem Kriegskurs um. Dazu gehörte auch der nicht-öffentliche Bruch des Versailler Vertrages in Gestalt verschiedener Rüstungsprojekte wie etwa des Aufbaues einer großen deutschen Luftwaffe.

Derartige politische Absichten hin zu einem Krieg ergaben sich darüber hinaus auch aus den ideologischen Grundlagen des Nationalsozialismus und etwa auch aus Hitlers Schrift "Mein Kampf", worauf Goebbels anläßlich einer Erklärung am 5. April 1940 vor geladenen Vertretern der deutschen Presse mit folgenden Worten anspielte: "Bis jetzt ist es uns gelungen, den Gegner über die eigentlichen Ziele Deutschlands im unklaren zu lassen ... 1933 hätte ein französischer Ministerpräsident sagen müssen (und wäre ich französischer Ministerpräsident gewesen, ich hätte es gesagt): der Mann ist Reichskanzler geworden, der das Buch ‘Mein Kampf’ geschrieben hat, in dem das und das steht. Der Mann kann nicht in unserer Nachbarschaft geduldet werden. Entweder er verschwindet, oder wir marschieren. das wäre durchaus logisch gewesen. Man hat darauf verzichtet."

Literatur:
Deist, Wilhelm /Manfred Messerschmidt/Hans-Erich Volkmann/Wolfram Wette: Ursachen und Voraussetzungen des Zweiten Weltkrieges, Stuttgart 1989.
Wendt, Bernd-Jürgen: Großdeutschland. Außenpolitik und Kriegsvorbereitung des Hitler-Regimes, München 1987.

Die Hoßbach-Niederschrift über Hitlers Kriegswillen soll eine Fälschung sein

Revisionistische Behauptung: Die Aufzeichnungen des Obersten Hoßbach über Hitlers Äußerungen zur Kriegsbereitschaft vom November 1937 sind eine Fälschung Ein entsprechendes Dokument lag denn auch bei den Nürnberger Prozessen auch nur als Abschrift vor.

Historische Wahrheit: Bei der Hoßbach-Niederschrift handelt es sich um Aufzeichnungen des Oberst Friedrich Hoßbach, die er über eine am 5. November 1937 von Hitler durchgeführte Konferenz mit hochrangigen Militärs erstellte. Danach erklärte Hitler, die "Raumnot" des deutschen Volkes müsse in nächster Zeit auch durch den Krieg als Mittel einschließende expansive Schritte überwunden werden. Eine Annexion Österreichs und der Tschechoslowakei plane er bei einer außenpolitisch günstigen Lage schon für das Jahr 1938. Hoßbach erstellte seine Niederschrift nicht offiziell, von daher stellte sie auch kein Protokoll der Konferenz dar. Gegen die inhaltliche Richtigkeit der Ausführungen erhoben später im Nürnberger Prozeß Beteiligte wie Göring und zwei weitere seinerzeit Anwesende gleichwohl keine Einwände. Eine 1943 von einem Oberst Graf Kirchbach erstellte Abschrift verschwand nach 1945 zunächst spurlos, was den Fälschungsvorwürfen der Revisionisten Nahrung gab. 1989 fand man diese Abschrift aber in bislang nicht zugänglichen britischen Akten. Ihr Inhalt stimmte genau mit der während des Nürnberger Prozesses verwendeten Kopie überein, so dass damit auch jeglicher Verdacht einer Fälschung entkräftet werden konnte. Im Übrigen belegten auch nach der erwähnten Konferenz entstandene Dokumente die Richtigkeit des Inhaltes der Hoßbach-Niederschrift. So wurde etwa im Hitler noch im Dezember 1937 vorgelegten "1. Nachtrag zur Weisung für die einheitliche Kriegsvorbereitung der Wehrmacht vom 24.6.1937" direkt von einem geplanten Angriffskrieg gegen die Tschechoslowakei gesprochen.

Literatur:
Bußmann, Walter: Zur Entstehung und Überlieferung der "Hoßbach-Niederschrift, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, 16. Jg., 1968, S. 373-384.
Smith, Bradley F.: Die Überlieferung der Hoßbach-Niederschrift im Lichte neuer Quellen, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, 38 Jg., 1990, S. 329-336.

Hitler sah sich angeblich 1939 zur Abwehr polnischer Überfälle zum Krieg genötigt

Revisionistische Behauptung: Hitler sah sich am 1. September 1939 zum Krieg gegen Polen genötigt, da nicht anders den auch unmittelbar zuvor erfolgten Überfällen von polnischen Freischärlern auf das Reichsgebiet entgegen gewirkt werden konnte.

Historische Wahrheit: Bei den angeblichen polnischen Übergriffen handelte es sich in Wahrheit um Aktionen, die von Heinrich Himmlers Sicherheitspolizei und der SS in Verkleidung durchgeführt wurden. Sie sollten der deutschen und internationalen Öffentlichkeit den Eindruck vermitteln, dass von polnischer Seite mit den kriegerischen Handlungen begonnen worden sei und sich die deutsche Seite lediglich gegen die massiven Bedrohungen der eigenen territorialen Souveränität wehre. Indessen hatte Hitler bereits am 22. August seinen Oberbefehlshabern angekündigt, er werde "propagandistischen Anlaß zur Auslösung des Krieges geben, gleichgültig ob glaubhaft. Der Sieger wird später nicht danach gefragt, ob er die Wahrheit gesagt hat oder nicht." Die Pläne zur Vortäuschung eines "fingierten Angriffs polnischer Verbände gegen das deutsche Reichsgebiet" diskutierten Hitler, Himmler und Heydrich bereits Anfang August 1939. Letzterer wurde mit den organisatorischen Vorbereitungen betraut und beauftragte hohe SS-Führer mit der Leitung des Scheinüberfalles. An ihm nahmen polnisch sprechende SS-Angehörige in Verkleidung teil. Häftlinge aus Konzentrationslagern wurden als später zu erschießende polnische Angreifer ebenfalls verkleidet an die Orte der angeblichen Überfälle verbracht und dort ermordet.

Literatur:
Gruchmann, Lothar: Totaler Krieg. Vom Blitzkrieg zur bedingungslosen Kapitulation, München 1991, S. 11-37.
Runzheimer, Jürgen: Der Überfall auf den Sender Gleiwitz im Jahre 1939, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, 10. Jg., 1962, S. 408-426.

US-Historiker David L. Hoggan soll bewiesen haben: "Hitler ein Friedensfreund"

Revisionistische Behauptung: Bereits 1961 bewies der US-Historiker David L. Hoggan in seinem fast tausend Seiten umfassenden Buch "Der erzwungene Krieg" auf breiter Quellengrundlage, dass Hitler weder einen Konflikt mit Polen noch mit England wünschte, England indessen gegenüber Deutschland bewußt eine zum Krieg führende feindliche Politik betrieben hat. Die eigentlichen Kriegstreiber, so Hoggan, waren nicht Hitler und andere führende Nationalsozialisten, sondern der britische Außenminister Lord Halifax und der US-Präsident Roosevelt.

Historische Wahrheit: Trotz des Anscheins von Wissenschaftlichkeit durch das genaue Benennen von Quellen hatte Hoggans Darstellung der Ereignisse im zeitlichen Vorfeld des Kriegsausbruchs nur wenig mit der historischen Realität zu tun: Ein kritischer Vergleich von Originalquellen und Hoggans Zitaten und Deutungen zeigt nämlich, dass sich dieser verfälschender Auslassungen ebenso wie erfundener Zusätze bediente. Damit versuchte Hoggan seine Thesen mit der bewußten Verfälschung von Sachverhalten bzw. dem Ignorieren bestimmter Zusammenhänge zu untermauern.

Angesichts der fehlenden wissenschaftlichen Qualität wurde denn auch Hoggans Buch von Historikern nicht ernst genommen. Es war lange Jahre nur in einer deutschsprachigen Ausgabe des rechtsextremistischen "Grabert-Verlages", Tübingen erhältlich.

Literatur:
Graml, Hermann: David L. Hoggan und die Dokumente, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, 14. Jg, 1963, S. 492-514.
Jasper, Gotthard: Über die Ursachen des Zweiten Weltkriegs. Zu den Büchern von A. J. P. Taylor und David L. Hoggan, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, 10. Jg., 1962, S. 311-340.

Hitler sei Stalin 1941 mit seinem Angriff nur zuvor gekommen (Präventivkriegsthese)

Revisionistische Behauptung: Mit dem Angriff auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 ("Unternehmen Barbarossa") kam die Hitler-Regierung nur einem unmittelbar bevorstehenden Angriff der Roten Armee zuvor. Stalin hatte bereits im Mai 1941 bei einer Rede seine Absichten bekundet, die sowjetischen Truppen marschierten an der Westgrenze auf und – wie nach Öffnung der Archive Anfang der neunziger Jahre bekannt wurde – bestand ein Plan des Generalstabes zum Präventivschlag gegen die Wehrmacht.

Historische Wahrheit: Aus den nach dem Kriegsende zugänglichen Dokumenten geht hervor, dass im Zeitraum zwischen Sommer 1940 und Juni 1941 weder Hitler noch die Wehrmachtsführung von Angriffsabsichten Stalins ausgingen bzw. eine akute direkte Bedrohung Deutschlands durch die Rote Armee angenommen wurde. Selbst die sowjetische Teilmobilmachung und das Aufschließen von Truppen an der Westgrenze interpretierte man als defensive Reaktion auf den deutschen Aufmarsch. Angesichts fehlender subjektiver Bedrohungsgefühle kann denn auch gar nicht von einem Präventivkrieg gesprochen werden. Vielmehr handelte es sich lediglich um eine Propagandabehauptung zur politischen Rechtfertigung des Angriffs auf die Sowjetunion.

Bestand dem gegenüber aber eine sowjetische Angriffsabsicht ohne das Wissen des Hitler-Regimes? Eine immer wieder behauptete diesbezüglich von Stalin angeblich vor Absolventen der 16 Militärakademien und neun Militärfakultäten ziviler Hochschulen am 5. Mai 1941 bekundete Absicht läßt sich nicht belegen. Über das Ereignis gab es widersprüchliche Aussagen, ein angebliches Dokument steht im begründeten Fälschungsverdacht und ein authentischer Text der Rede liegt nicht vor. Darüber hinaus wäre es auch mehr als nur unwahrscheinlich, hätte Stalin geheime Angriffsabsichten vor einem so großen Publikum offen bekannt.

Aber wie steht es um die Aufmarschpläne der Roten Armee? Sie müssen vor dem Hintergrund des für die sowjetische Außenpolitik typischen hochgradigen Sicherheitsbedürfnisses und der seit Anfang der dreißiger Jahre für die Rote Armee maßgeblichen Strategie offensiver Verteidigung gesehen werden. Im Wissen darum nahm sie damals die deutsche Seite auch nicht als Beleg für Angriffsabsichten wahr. Ein vor einigen Jahren bekannt gewordener Präventivkriegsplan des Generalstabes gegen die Wehrmacht vom 15. Mai 1941 wurde weder von der militärischen noch der politischen Führung autorisiert, geschweige denn in Gang gesetzt. Die Sowjetunion unter Stalin war sicherlich alles andere als eine friedliche Macht, gleichwohl mußten ihr vor dem Hintergrund eigener politischer und militärischer Defizite Angriffsoptionen für den damaligen Zeitpunkt unangemessen erscheinen.

Die Präventivkriegsthese wird mittlerweile nicht mehr nur von rechtsextremistischen Revisionisten, sondern auch von anderen Buchautoren vertreten. Aus unterschiedlichen Gründen, seien es methodische Fehler oder andere politische Absichten, kommen sie ebenfalls zu solchen Auffassungen. Dabei werden die oben genannten Aspekte ebenso ignoriert wie die handlungsleitend wirkende ideologische Begründung für den Krieg, die sich bereits in den frühesten programmatischen Äußerungen Hitlers wie etwa in "Mein Kampf" findet.

Literatur:
Pietrow-Ennker, Bianka (Hrsg.): Präventivkrieg? Der deutsche Angriff auf die Sowjetunion, Frankfurt/M. 2000.
Ueberschär, Gerd R./Bezymenskij, Lev A. (Hrsg.), Der deutsche Angriff auf die Sowjetunion 1941. Die Kontroverse um die Präventivkriegsthese, Darmstadt 1998.

RECHTFERTIGUNG DES ANTISEMITISMUS

Geheime Rede des Rabbiners belege angebliche jüdische Weltverschwörung

Revisionistische Behauptung: Aus dem Text der geheimen "Rede des Rabbiners" geht eindeutig hervor, dass die Juden durch verschwörerisches Wirken die ganze Welt beherrschen wollen.

Historische Wahrheit: Bei der sogenannten "Rede des Rabbiners" handelt es sich um eine umgeschriebene Episode aus einem Kolportageroman des 19. Jahrhunderts. Einer der zeitgeschichtlichen Sensationsromane des Schriftstellers Hermann Goedsche, das 1868 erstmals unter dem Pseudonym "John Retcliffe" erschienene Buch "Biarritz", enthielt ein Kapitel mit dem Titel "Auf dem Judenfriedhof in Prag". Darin wird eine geheime nächtliche Versammlung geschildert, in deren Verlauf sich zwei versteckten Beobachtern die Existenz eines jahrhundertelang existierenden teuflischen jüdischen Komplotts offenbart. Antisemiten in zahlreichen Ländern verbreiteten dieses Kapitel als Broschüre oder Flugschrift. Zunächst stellte man es noch als ein Stück Literatur dar, das auf wirklichen Ereignissen beruhe. Später fassten antisemitische Autoren die darin enthaltenen angeblichen Reden verschiedener Vertreter jüdischer Stämme zu der Rede eines "Großrabbiners" zusammen und gaben das Ganze als authentisches Dokument aus. Tatsächlich handelte es sich aber nur um eine literarische Erfindung.

Literatur:
Neuhaus, Volker: Der zeitgenössische Sensationsroman in Deutschland 1855-1878. "Sir John Retcliffe" und seine Schule, Berlin 1980.

"Protokolle der Weisen von Zion" als angeblicher Beleg für jüdische Verschwörung"

Revisionistische Behauptung: Die "Protokolle der Weisen von Zion" sind das Kronzeugendokument einer jüdischen Weltverschwörung und belegen die Absichten und Pläne zur Verderbung der nicht-jüdischen Völker und zur Errichtung einer eigenen Herrschaft über sie.

Historische Wahrheit: Bei den "Protokollen der Weisen von Zion", die auch als "Die Geheimnisse der Weisen von Zion" oder "Zionistischen Protokolle" bezeichnet werden, handelt es sich um eine Fälschung. Den Text erstellten gegen Ende des 19. Jahrhunderts Auslandsagenten des damaligen zaristischen Geheimdienstes "Ochrana", indem sie aus einer älteren französischen Streitschrift aus dem Jahre 1864 wesentliche Teile zu den "Protokollen" zusammenstellten. In dem Ursprungstext, Maurice Jolys Buch "Dialogue aux enfers entre Machiavel et Montesquieu", findet sich ein fiktives Streitgespräch der Philosophen Machiavelli und Montesquie in der Unterwelt. Aus den dort dem machtpolitisch denkenden Theoretiker Machiavelli zugeschriebenen Aussagen konstruierten die Fälscher unter Ergänzung um andere Aussagen eben jenes angebliche Kronzeugendokument einer jüdischen Weltverschwörung. Dass es sich dabei um ein Plagiat handelte, offenbarte bereits die britische Zeitung "Times" im Jahr 1921. Trotz des Wissens darum wirkten die "Protokolle" bis in die Gegenwart hinein als die wohl weltweit am weitesten verbreitete antisemitische Hetzschrift.

Literatur:
Cohn, Norman: "Die Protokolle der Weisen von Zion". Der Mythos der jüdischen Weltverschwörung, Zürich 1998.
Pfahl-Traughber, Armin: Der antisemitisch-antifreimaurerische Verschwörungsmythos in der Weimarer Republik und im NS-Staat, Wien 1994.

Angebliche jüdische Kriegserklärung an Deutschland im "Daily Express" 1933

Revisionistische Behauptung: Am 24. März 1933 veröffentlichte die englische Zeitung die Schlagzeile "Judea declares War on Germany". Diese jüdische Kriegserklärung an Deutschland rechtfertigte nicht nur den Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April 1933, sondern auch die Behandlung der Juden als Feinde.

Historische Wahrheit: Zwar erschien diese wie ähnliche Meldungen in den Zeitungen des Auslandes, sie bezogen sich aber nicht auf eine Kriegserklärung aller Juden gegen Deutschland, sondern berichteten in der Regel auch nur über Boykottforderungen für deutsche Produkte durch einzelne jüdische Gruppierungen. Hierbei handelte es sich indessen um Minderheiten, erklärte doch die in Großbritannien ansässige Vertretung der Juden, der Jewish Board of Deputies, in der "Times" vom 27. März 1933, er wolle sich nicht in innerdeutsche Angelegenheiten einmischen; die Aktionen seien nur spontane Ausbrüche von Einzelpersonen, aber nicht vom Board organisiert. Somit konnte weder von einem organisierten Boykott noch von einer jüdischen Kriegserklärung ernsthaft gesprochen werden.

Darüber hinaus ignoriert die revisionistische Behauptung, dass es in Deutschland bereits im Februar und März 1933 zu Ausschreitungen gegen Juden gekommen war und die dagegen formulierten Unmutsäußerungen von Juden in Großbritannien und den USA lediglich Reaktionen darauf darstellten. Die Revisionisten verwischen entsprechend denn auch den Zusammenhang von Ursache und Wirkung und machen dabei die Opfer zu Tätern.

Literatur:
Auerbach, Hellmuth: "Kriegserklärungen" der Juden an Deutschland, in: Wolfgang Benz (Hrsg.), Legenden, Lügen, Vorurteile. Ein Wörterbuch zur Zeitgeschichte, München 1992, S. 122-126.
Longerich, Peter: Politik der Vernichtung. Eine Gesamtdarstellung der nationalsozialistischen Judenverfolgung, München 1998, S. 26-30.

Angebliche jüdische Kriegserklärung Chaim Weizmanns 1939 gegen Deutschland

Revisionistische Behauptung: Der Präsident des Zionistischen Weltkongresses und Leiter der Jewish Agency for Palestine, Chaim Weizmann, erklärte im August 1939 im Namen der Juden Deutschland den Krieg. Dies rechtfertigte deren Internierung in Lagern als Kriegsgegner durch die Nationalsozialisten.

Historische Wahrheit: Weizmann schrieb am 29. August 1939 an den damaligen britischen Premierminister Neville Chamberlain einen Brief, der mit einer Antwort am 6. September 1939 in der "Times" veröffentlicht wurde. Darin erklärte er, dass angesichts der äußersten Krise auch die Juden einen Beitrag zur Verteidigung der geheiligten Werte leisten wollten, bei Großbritannien stünden und an der Seite der Demokratien kämpfen würden. Hierbei handelte es sich demnach nur um eine Loyalitätserklärung für die britischen Juden bzw. die auf dem Gebiet des damaligen britischen Empires lebenden Juden zugunsten der Demokratie und Großbritanniens. Als eine Kriegserklärung der Juden an Deutschland läßt sich dieser Text nicht deuten. Selbst wenn Weizmann eine solche beabsichtigt hätte, hätte er nicht im Namen aller Juden, sondern allenfalls im Namen der der Zionistischen Weltorganisation angehörenden Juden sprechen können. Sie stellten damals allerdings eine verschwindend geringe Minderheit von wenig mehr als sechs Prozent der jüdischen Bevölkerung der Welt dar. Weizmanns Erklärung muss darüber hinaus vor dem Hintergrund der von Hitler anläßlich einer Reichstagsrede am 30. Januar 1939 bekundeten Absicht, den Beginn des Krieges mit der Vernichtung der Juden zu verbinden, gesehen werden. Auch hier vertauscht die revisionistische Behauptung Ursache und Wirkung.

Literatur:
Auerbach, Hellmuth: "Kriegserklärungen" der Juden an Deutschland, in: Wolfgang Benz (Hrsg.), Legenden, Lügen, Vorurteile. Ein Wörterbuch zur Zeitgeschichte, 122-126.

Angeblicher jüdischer Funktionär Kaufman soll 1941 Vernichtung der Deutschen gefordert haben

Revisionistische Behauptung: Der jüdische Funktionär, Präsident der amerikanischen "Friedensliga" und Berater von US-Präsident Roosevelts Theodore Nathan Kaufman veröffentlichte 1941 eine Broschüre mit dem Titel "Gemany must perish" ("Deutschland muß vernichtet werden"), worin er die biologische Ausrottung der Deutschen durch Massensterilisierung forderte. Um so etwas zu verhindern, war die Verfolgung der Juden durch die Hitler-Regierung legitim.

Historische Wahrheit: Tatsächlich erschien die genannte Broschüre mit einem solchen Inhalt zur genannten Zeit in den USA. Allerdings war deren Autor weder ein einflußreicher jüdischer Funktionär noch der Präsident einer mächtigen Organisation und schon gar kein Berater des amerikanischen Präsidenten. Kaufman betätigte sich beruflich wechselweise als Büroangestellter und Verkäufer und gab mit seinen politischen Forderungen lediglich seine persönliche Meinung kund. Sein Buch erschien auch nicht in einem größeren amerikanischen Verlag, sondern in Kaufmans eigens für die Veröffentlichung gegründeten Eigenverlag. In der seinerzeitigen amerikanischen Öffentlichkeit wurde der Text kaum beachtet; lediglich "Time" berichtete darüber in einer kurzen Meldung. Von daher sprach Kaufman weder für die amerikanischen Juden noch für die amerikanische Regierung oder Öffentlichkeit.

Literatur:
Benz, Wolfgang: Judenvernichtung aus Notwehr? Vom langen Leben einer rechtsradikalen Legende, in: Wolfgang Benz (Hrsg.), Rechtsextremismus in Deutschland. Voraussetzungen, Zusammenhänge, Wirkungen, Frankfurt/M. 1994, S. 179-202.

LEUGNUNG DER JUDENVERFOLGUNG UND -VERNICHTUNG

Hitler forderte angeblich nicht die Vernichtung der Juden

Revisionistische Behauptung: Hitler wollte zwar den Einfluss der Juden in Deutschland zurückdrängen, forderte aber nicht die Vernichtung der Juden.

Historische Wahrheit: Entgegen dieser Aussage gibt es mehrere öffentlich gemachte Aussagen, worin Hitler sehr wohl die Vernichtung der Juden als Bestandteil seines politischen Denkens und Wollens zum Ausdruck brachte. Bereits in "Mein Kampf" (S. 772) heißt es: "Hätte man zu Kriegsbeginn und während des Krieges einmal zwölf- oder fünfzehntausend dieser hebräischen Volksverderber so unter Giftgas gehalten, wie Hunderttausende unserer allerbesten deutschen Arbeiter aus allen Schichten und Berufen es im Felde erdulden mußten, dann wäre das Millionenopfer der Front nicht vergeblich gewesen." Auch wenn hieraus nicht schon die prophetische Andeutung der Massenvergasungen während des Zweiten Weltkrieges zwingend abgeleitet werden kann, zeigt dieses Zitat doch deutlich, dass Hitler in den Kategorien von existentieller Vernichtung über die Juden dachte.

Am 30. Januar 1939 äußerte er vor dem Reichstag: "Ich will heute wieder ein Prophet sein: Wenn es dem internationalen Finanzjudentum in und außerhalb Europas gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann wird das Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa." Auf seine "Prophezeiung" kam Hitler im Verlauf des Zweiten Weltkrieges immer wieder zurück. In einer Rede im Berliner Sportpalast äußerte er am 30. Januar 1941: "Und nicht vergessen möchte ich den Hinweis, den ich schon einmal, am 1. September 1939, im deutschen Reichstag gegeben habe. Den Hinweis darauf nämlich, dass, wenn die andere Welt von dem Juden in einen allgemeinen Krieg gestürzt würde, das gesamte Judentum seine Rolle in Europa ausgespielt haben wird! Sie mögen auch heute noch lachen darüber, genau so wie sie früher über meine Prophezeiungen lachten. Die kommenden Monate und Jahre werden erweisen, dass ich hier richtig gesehen habe." Hitler datierte die ursprüngliche Rede falsch, offensichtlich um so die angedrohte "Vernichtung der jüdischen Rasse" in Zusammenhang mit dem Kriegsausbruch zu bringen; dieser sollte als Erfüllung der "Prophezeiung" gelten und den beginnenden Judenmord rechtfertigen.

Am 16. November 1941 ging auch Goebbels auf die "Prophezeiung" Hitlers ein. In der Wochenzeitung "Das Reich" veröffentlichte er den Leitartikel "Die Juden sind schuld", der im Rundfunk verlesen und kurz darauf als Sonderdruck in hoher Auflage verbreitet wurde. Darin schrieb der Propagandaminister über die "historische Schuld des Weltjudentums am Ausbruch und an der Ausweitung dieses Krieges", um dann direkt auf die bereits zitierte Ankündigung Hitlers einzugehen: "Aber es bewahrheitet sich an" den Juden "auch die Prophezeiung, die der Führer am 30. Januar 1939 im deutschen Reichstag aussprach, dass, wenn es dem internationalen Finanzjudentum gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, das Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein werden, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa." Und dann das öffentliche Bekenntnis über die beginnende Vernichtung der Juden: "Wir erleben eben den Vollzug dieser Prophezeiung, und es erfüllt sich damit am Judentum ein Schicksal, das zwar hart, aber mehr als verdient ist. ... Das Weltjudentum ... erleidet nun einen allmählichen Vernichtungsprozeß, den es uns zugedacht hatte ..."

Literatur:
Domarus, Max: Hitler. Reden und Proklamationen 1932-1945. Kommentiert von einem deutschen Zeitgenossen. II. Bd.: Untergang (1939-1945), Würzburg 1963.
Longerich, Peter: Politik der Vernichtung. Eine Gesamtdarstellung der nationalsozialistischen Judenverfolgung, München 1998.

Nach Angaben des Roten Kreuzes sollen nur 300.000 Juden ums Leben gekommen sein

Revisionistische Behauptung: Nach einer amtlichen Feststellung des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes in der Schweiz kamen während des Zweiten Weltkriegs nicht sechs Millionen Juden, sondern nur 300.000 Menschen wegen rassischer, religiöser und politischer Verfolgung ums Leben. Die UNO bezifferte die jüdischen Verluste nur auf 200.000 Menschen.

Historische Wahrheit: Eine solche Erklärung des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes hat es nie gegeben und konnte es auch nie gegeben haben, da diese Einrichtung mit der Erhebung solcher Daten nie betraut worden war. Zu den revisionistischen Behauptungen nahm man gegenüber dem Institut für Zeitgeschichte in München sowohl 1955 als auch 1965 Stellung. Im ersten Schreiben heißt es dazu u.a.: "Statistische Aufstellungen über Verluste an Militärpersonen oder Deportationen können wir nicht beschaffen, da derartige statistische Arbeiten dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz nicht obliegen." Und in der zweiten Stellungnahme betonte man: "Wir möchten eindeutig klarstellen, dass das Internationale Komitee vom Roten Kreuz in Genf überhaupt nichts mit diesen Behauptungen zu tun hat. Die Statistiken über die Kriegsverluste und die Opfer politischer, rassischer oder religiöser Verfolgungen fallen nicht in sein Zuständigkeitsgebiet und haben nie dazugehört."

Auch bei der behaupteten Zahlenangabe der UNO handelt es sich offensichtlich um eine Erfindung. In einem Schreiben der Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der UNO von 1974 an das Institut für Zeitgeschichte heißt es denn auch, dass die "erwähnte Zahl von 200.000 jüdischen Opfern des NS-Regimes mit Sicherheit nicht auf Feststellungen der Vereinten Nationen beruht".

1991 veröffentlichten Historiker eine umfangreiche Studie über die quantitative Bilanz des Völkermordes an den Juden im Zweiten Weltkrieg, die unter Berücksichtigung der damit zusammenhängenden methodischen Probleme zu dem Ergebnis kam, dass sich in der Gesamtschau ein Minimum von 5,29 Millionen und ein Maximum von knapp über sechs Millionen Opfer zu beklagen sind.

Literatur:
Benz, Wolfgang: Judenvernichtung: Die Zahl der Opfer, in: Wolfgang Benz (Hrsg.), Legenden, Klügen, Vorurteile. Ein Wörterbuch zur Zeitgeschichte, München 1992, S. 107-112.
Benz, Wolfgang (Hrsg.), Dimension des Völkermords. Die Zahl der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus, München 1991.

Das "Tagebuch der Anne Frank" sei eine Fälschung

Revisionistische Behauptung: Das "Tagebuch der Anne Frank" ist eine Fälschung, enthält es doch zahlreiche Textstellen, die so nicht von einem jungen Mädchen geschrieben sein können.

Historische Wahrheit: Das Tagebuch der Anne Frank erhielt ihr Vater Otto Frank, der als einziger der Familie überlebt hatte, 1945 von einer früheren Mitbewohnerin des Hauses, das der Familie während des Krieges als Versteck diente. Nach der Lektüre plante er eine Veröffentlichung des Textes als Buch, um so anhand des individuellen Schicksals seiner Tochter die Öffentlichkeit über die Judenverfolgung der Nationalsozialisten aufzuklären. Bei den Vorbereitungen dafür nahm Otto Frank aber einige ihm unangenehme Streichungen von Textstellen privater Natur vor, etwa die Schilderung des Charakters der Mutter oder von Äußerungen aus Annes Intimsphäre. Hinzu kam, dass die das Buch veröffentlichenden Verlage noch grammatikalische und stilistische Korrekturen vornahmen, welche den Text an manchen Stellen als nicht von einem jungen Mädchen geschrieben erscheinen ließen. Dieser Effekt wurde darüber hinaus noch durch die Übersetzungen in andere Sprachen verstärkt.

Literatur:
Lee, Carol Ann: Anne Frank. Die Biographie, München 2000.
Rijksinstituut voor Oorlogsdocumentatie – Niederländisches Staatliches Institut für Kriegsdokumentation (Hrsg.), Die Tagebücher der Anne Frank, Frankfurt/M. 1988.
Wetzel, Juliane: Anne Frank-Tagebuch, in: Wolfgang Benz (Hrsg.), Legenden, Lügen, Vorurteile. Ein Wörterbuch zur Zeitgeschichte, München 1992, S. 24f.

Alliierte bestätigten 1948 angeblich: Zeugenaussagen über Vergasungen in Lagern seien falsch

Revisionistische Behauptung: Bereits 1948 berichtete der Militärpolizeiliche Dienst über das Ergebnis einer Alliierten Untersuchungskommission, wonach es in verschiedenen Konzentrationslagern keine Tötungen von Menschen durch Giftgas gab, diesbezügliche Geständnisse durch Folgerung erpresst wurden und gegenteilige Behauptungen von ehemaligen Häftlingen Falschaussagen sind. Die Echtheit dieses Dokumentes bestätigte 1987 der frühere Leutnant beim Wachbataillon Wien Emil Lachout.

Historische Wahrheit: Bei diesem angeblichen Dokument handelt es sich um eine relativ schlecht gemachte Fälschung: die genannten alliierten Einrichtungen bestanden nicht bzw. nicht unter den genannten Namen; auch die erwähnten österreichischen Einrichtungen existierten zur Zeit der angeblichen Erstellung des "Dokumentes" nicht; die Sprache des Textes ist deutsch und nicht wie üblich englisch, französisch oder russisch; es handelt sich um eine formlose Seite ohne Kopfbogen der verantwortlichen Behörde.

Literatur:
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.): Das Lachout – "Dokument". Anatomie einer Fälschung, Wien 1989.

Gaskammer-Experte Fred Leuchter behauptet: Vergasungen technisch unmöglich

Revisionistische Behauptungen: Der amerikanische Gaskammer-Experte Fred Leuchter hat in mehreren Untersuchungen und Gutachten ("Leuchter-Report") festgestellt, dass Massenvergasungen von Menschen im Konzentrationslager Auschwitz technisch gar nicht möglich gewesen sind. Damit widerlegte er naturwissenschaftlich die Auffassung von den Vergasungen.

Historische Wahrheit: Fred Leuchter behauptet selbst, Spezialist für die Herstellung und Perfektionierung der Gaskammern für zum Tode Verurteilte zu sein. Es stellte sich aber nach dem Bekanntwerden seines "Reports" heraus, dass er weder über eine chemische noch über eine toxikologische Ausbildung verfügte. Darüber hinaus betätigte sich Leuchter auch ohne staatliche Konzession als Ingenieur. Und schließlich entsprachen die von ihm für den Vollzug der Todesstrafe entworfenen Vorrichtungen auch nicht den notwendigen Richtlinien, woraufhin mehrere Gefängnisverwaltungen Verträge mit ihm kündigten. Dürfte Leuchter somit für seinen eigentlichen Beruf nicht genügend qualifiziert sein, so war er dies schon gar nicht für die Begutachtung der Gaskammern im Konzentrationslager Auschwitz. Leuchter hatte über den historischen Hintergrund im allgemeinen wie die konkreten Umstände der Massenvernichtung im besonderen vor Erstellung seines "Reports" keine Kenntnisse, sondern erhielt lediglich von seinen rechtsextremistischen Auftraggebern um den Revisionisten Robert Faurisson Veröffentlichungen in deren Sinne zur Information und Vorbereitung.

Von daher verwundert auch nicht, dass Leuchter an seine Arbeit falsche bzw. unangemessene Maßstäbe anlegte: Er ging nämlich von den Verhältnissen in amerikanischen Gefängnissen aus, wo Hinrichtungen mittels Gas in hochentwickelten und komplizierten Gaskammern unter strikter Beachtung strenger Vorsichtsmaßnahmen für einzelne Personen stattfinden, und übernahm damit zusammenhängende Erfahrungen als Kriterien für die Untersuchung eines ganz anderen Falles, ohne dessen besondere Umstände zu berücksichtigen. Allein von daher ergaben sich zahlreiche Fehleinschätzungen bei der Untersuchung, die noch durch das laienhafte und unsystematische Vorgehen Leuchters verstärkt wurden. Darüber hinaus ignorierte er, dass die untersuchten Gebäude durch die SS kurz vor ihrem Abzug gesprengt wurden und in ihrem ruinösen Zustand seit mehr als vierzig Jahren Wind und Wetter ausgesetzt waren, teilweise sogar monatelang im Wasser standen, und sich allein schon von daher nur geringe Spuren von Zyanid nachweisen lassen würden. In einigen Untersuchungen ganz unterschiedlicher Wissenschaftler sind nach Bekanntwerden des "Leuchter-Reports" die noch darüber hinausgehenden einzelnen Fehler und Widersprüche ausführlich und detailliert nachgewiesen worden.

Literatur:
Auerbach, Hellmuth: Die Authentizität des "Leuchter-Reports", in: Der Bundesminister des Innern (Hrsg.), Aktuelle Aspekte des Rechtsextremismus, Bonn 1994, S. 101-104.
Bailer, Josef: Die "Revisionisten" und die Chemie, in: Brigitte Bailer-Galanda/Wolfgang Benz/Wolfgang Neugebauer (Hrsg.), Die Auschwitzleugner. "Revisionistische" Geschichtslüge und historische Wahrheit, Berlin 1996, S. 130-152.
Bailer-Galanda, Brigitte: Leuchter und seine Epigonen, in: ebenda, S. 117-129.
Wegner, Werner: Keine Massenvergasung in Auschwitz? Zur Kritik des Leuchter-Gutachtens, in: Uwe Backes/Eckhard Jesse/Rainer Zitelmann (Hrsg.), Die Schatten der Vergangenheit. Impulse zur Historisierung des Nationalsozialismus, Frankfurt/M. 1990, S. 450-476.
Wellers, Georges: Der "Leuchter-Bericht" über die Gaskammern von Auschwitz. Revisionistische Propaganda und Leugnung der Wahrheit, in: Dachauer Hefte 7 Jg, 1991, S. 230-241.

Chemiker Germar Rudolf will bewiesen haben: In Auschwitz habe es keine Vergasungen gegeben

Revisionistische Behauptung: Der seinerzeit am Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart arbeitende Diplom-Chemiker Germar Rudolf stellte in einer naturwissenschaftlichen Untersuchung ("Rudolf-Gutachten") fest, dass es in Auschwitz keine Vergasungen von Menschen gab.

Historische Wahrheit: Das sogenannte "Rudolf-Gutachten" von 1992 entstand im Zusammenhang mit der juristischen Verteidigung des seinerzeit vor Gericht stehenden Alt- und Neonazis Otto Ernst Remer und hatte von daher schon bei der Entstehung einen rechtsextremistischen Hintergrund. Rudolf bediente sich darüber hinaus bei der Erstellung unlauterer Methoden, indem er den Namen des Max-Planck-Instituts für Festkörperforschung in Stuttgart, wo er damals beschäftigt war, ohne dessen Wissen für seine Zwecke nutzte. Aber auch die spätere Propagierung und Verbreitung des "Rudolf-Gutachtens" durch seinen Autor war durch ähnliche Täuschungen geprägt. So bediente sich Rudolf etwa zahlreicher Pseudonyme, die er u.a. dazu nutzte, seiner eigenen Arbeit Seriosität und Wissenschaftlichkeit mit lobender Kommentierung unter anderem Namen zuzuschreiben.

Ähnlich unseriös ging Rudolf bei seinen Untersuchungen vor: Er entnahm nach eigenen Angaben aus den Ruinen der Gaskammern und Sachentlausungsanlagen von Auschwitz Proben, allerdings ohne Erlaubnis und unkontrolliert. Hiermit verletzte Rudolf ein wichtiges Gebot jeglichen wissenschaftlichen Arbeitens. Darüber hinaus arbeitete er mit einer nicht belegbaren zentralen Annahme, nämlich dass die Anwendung von Zyklon B zwingend eine Blaufärbung des Mauerwerkes nach sich ziehen müsse. Eine genaue und systematische Untersuchung der Ursachen für das Vorhandensein bzw. Nicht-Vorhandensein von solchen Färbungen an bestimmten Stellen der Wände nahm Rudolf indessen nicht vor. Gleichzeitig ignorierte er bei der vergleichenden Betrachtung von Gaskammern und Sachentlausungsanlagen, dass in geschlossenen Räumen für die Vernichtung von Menschen weniger Gift benötigt wird als für die Vernichtung von Insekten. Und schließlich legte Rudolf bei seinen Berechnungen auch immer wieder nicht nachvollziehbare Maßstäbe an wie etwa für die Zeitdauer für die Freisetzung der Blausäure aus dem Zyklon-Präparat.

Auch in der Darstellung seiner Untersuchung arbeitete Rudolf unseriös, finden sich darin doch zahlreiche sinnentstellende Zitate aus einer wichtigen Arbeit zum Thema, nämlich der Untersuchung von Jean-Claude Pressac. Rudolf widerlegte sich im Übrigen mit seinen Behauptungen und Veröffentlichungen selbst, behauptete er doch, in den Ruinen der Gaskammern in Auschwitz gebe es keine Blaufärbungen – für ihn ein Indiz für die Nutzung von Zyklon B – und druckte in einem Buch selbst ein Farbfoto mit einer Hellblaufärbung an den Wänden mit gegenteiliger Bildunterschrift ab (vgl. Ernst Gauss (Hrsg.), Grundlagen zur Zeitgeschichte. Ein Handbuch über strittige Fragen des 20. Jahrhunderts, Tübingen 1994, S. 257). Angesichts der zahlreichen Fehler und Mängel des "Rudolf-Gutachtens" verwunderte auch nicht, dass es bei dem erwähnten Prozeß vom Gericht nicht anerkannt wurde.

Literatur:
Bailer-Galanda, Brigitte: Leuchter und seine Epigonen, in: Brigitte Bailer-Galanda/Wolfgang Benz/Wolfgang Neugebauer (Hrsg.), Die Auschwitz-Leugner. "Revisionistische" Geschichtslüge und historische Wahrheit, Berlin 1996, S. 117-129.
Bailer, Josef: Die "Revisionisten" und die Chemie, in: ebenda, S. 130-152.
Pressac, Jean-Claude: Die Krematorien von Auschwitz. Die Technik des Massenmordes, München 1994.

Literatur:

Abschließend sei hier noch einmal gesondert auf allgemeinere Darstellungen zum rechtsextremistischen Revisionismus verwiesen:

Bailer-Galanda, Brigitte/Benz, Wolfgang/Neugebauer, Wolfgang (Hrsg.), Die Auschwitzleugner. "Revisionistische" Geschichtslüge und historische Wahrheit, Berlin 1996.
Bastian, Till: Auschwitz und "Auschwitz-Lüge". Massenmord und Geschichtsfälschung, München 1994.
Benz, Wolfgang: Legenden, Lügen, Vorurteile. Ein Wörterbuch zur Zeitgeschichte, München 1992.
Binder, Gerhart: Revisionsliteratur in der Bundesrepublik, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, 17. Jg., 1966, S. 179-200.
Broszat, Martin: Zur Kritik der Publizistik des antisemitischen Rechtsextremismus, in: Martin Broszat, Nach Hitler. Der schwierige Umgang mit unserer Geschichte, München 1988, S. 92-101.
Graml, Hermann: Alte und neue Apologeten Hitlers, in: Wolfgang Benz (Hrsg.), Rechtsextremismus in Deutschland. Voraussetzungen, Zusammenhänge, Wirkungen, Frankfurt/M. 1994, S. 30-66.
Lipstadt, Deborah E.: Betrifft: Leugnen des Holocaust, Zürich 1994.
Pfahl-Traughber, Armin: Rechtsextremistische Versuche zur Entlastung des Nationalsozialismus. Zu Entwicklungen und Tendenzen des "Revisionismus" in der Bundesrepublik Deutschland, in: Der Bundesminister des Innern (Hrsg.), Aktuelle Aspekte des Rechtsextremismus, Bonn 1994, S. 51-81.
Pfahl-Traughber, Armin: Die Apologeten der "Auschwitz-Lüge" – Bedeutung und Entwicklung der Holocaust-Leugnung im Rechtsextremismus, in: Uwe Backes/Eckhard Jesse (Hrsg.), Extremismus & Demokratie 8, Bonn 1996, S. 75-101.
Tiedemann, Markus: "In Auschwitz wurde niemand vergast." 60 rechtsradikale Lügen und wie man sie widerlegt, Mühlheim 1996.