Edgar Dahl (Melbourne)

Schicksalswende

oder: Dürfen wir die sexuelle Orientierung unserer Kinder verändern?

aus: Aufklärung und Kritik 1/1998 (S. 50 ff.)


Wir schreiben das Jahr 2003. Die Pränatale Diagnostik hat enorme Fortschritte gemacht. Einer dieser Fortschritte ist, daß sie den werdenden Müttern inzwischen zuverlässig voraussagen kann, ob ihr Kind später einmal homosexuell oder heterosexuell sein wird. Die Pharmakologen haben daraufhin ein Präparat entwickelt, das eine ausschließlich heterosexuelle Entwicklung gewährleisten könnte. Dieses Präparat beeinflußt den Hypothalamus des Kindes, einen Teil des Zwischenhirns, der nicht nur für die Regulation von Atmung, Kreislauf und Stoffwechsel, sondern auch für die sexuelle Orientierung verantwortlich ist. Die Anwendung dieses Präparats wäre einfach und unkompliziert: Die Frauen müßten es sich während des vierten Schwangerschaftsmonats lediglich ein einziges Mal intravenös injizieren lassen. Nebenwirkungen wären nicht zu befürchten – weder für die Mutter noch für das Kind.(1)

Dies ist natürlich Science-fiction. Aber wer weiß, wielange noch? Angesichts der Fortschritte auf den Gebieten der Humangenetik, der Neurobiologie und der Endokrinologie ist es nicht auszuschließen, daß ein Präparat, wie ich es hier beschrieben habe, schon bald Wirklichkeit wird. Und interessanter als die Spekulation, ob dies bereits in fünf oder erst in fünfzig Jahren sein wird, ist die Frage, was wir mit diesem Präparat machen sollten: Sollten wir es gesetzlich verordnen, gesetzlich verbieten – oder einfach die Eltern entscheiden lassen, ob sie von ihm Gebrauch machen wollen?

Um es vorwegzunehmen, ich werde für die letztgenannte Lösung argumentieren: Wir sollten das Präparat weder gesetzlich verordnen noch gesetzlich verbieten, sondern einfach die Eltern entscheiden lassen, ob sie es verwenden wollen. Ich gehe dabei davon aus, daß ein liberaler Staat ie persönlichen Entscheidungen seiner Bürger nur dann gesetzlich einschränken sollte, wenn dies zum Schutze anderer notwendig ist. Eine solche Notwendigkeit liegt aber, wie ich zeigen werde, in diesem Fall nicht vor.

Würden wir die Anwendung des Präparats gesetzlich vorschreiben, würde es bereits in der nächsten Generation keine Homosexualität mehr geben. Eine solche "Zwangsanwendung" ließe sich aber – wenn überhaupt! – nur dann rechtfertigen, wenn es ernsthafte Einwände gegen die Homosexualität geben würde. Die Argumente, die gegen die Homosexualität vorgebracht wurden, sind jedoch alles andere als überzeugend und lassen sich leicht ad absurdum führen.

Das bekannteste dieser Argumente besagt, daß wir die Homosexualität zu verurteilen haben, weil sie "unnatürlich" sei. Wie wir sogleich sehen werden, ist es jedoch alles andere als klar, was mit "unnatürlich" überhaupt gemeint ist. Manche verwenden den Ausdruck "unnatürlich" in einem sozusagen statistischen Sinne. Danach ist ein Verhalten immer dann unnatürlich, wenn es von der Norm abweicht. Homosexuelle, würde unser Argument dann lauten, sind zu verurteilen, weil sie etwas tun, was die Mehrheit der Menschen nicht tut. Dieses "Argument" ist natürlich grotesk, denn dasselbe könnte man von Linkshändern auch sagen. Aber wer wollte Linkshänder dafür verurteilen, daß sie, statt – wie die Mehrheit der Menschen – mit rechts zu schreiben, mit links zu schreiben wagen?

Andere meinen mit dem Vorwurf der Unnatürlichkeit, daß Homosexuelle ihre Geschlechtsorgane in einer Weise verwenden, wie sie von der Natur nicht vorgesehen wurde. So behauptet etwa der deutsch-österreichische Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeldt, daß Homosexuelle, die Analverkehr praktizieren, schon deshalb unmoralisch seien, weil sie ihren Penis zu einem Zweck verwenden, für den er "biologisch nicht bestimmt ist."(2) Daß der Penis biologisch nicht dazu bestimmt ist, Analverkehr zu praktizieren, ist sicher richtig. Aber wenn es stets unmoralisch wäre, seine Körperteile "zweckentfremdet" zu verwenden, dann wäre es ebenfalls unmoralisch, die Mondscheinsonate zu spielen – denn die Hände sind biologisch gewiß nicht dazu bestimmt, Klavier zu spielen.

Der Vatikan, der davon überzeugt ist, daß der natürliche Zweck der Sexualität in der Fortpflanzung bestehe, brandmarkt die Homosexualität als unnatürlich, weil aus ihr keine Kinder hervorgehen können. Nach katholischer Lehre muß jeder geschlechtliche Akt auf die Erzeugung von Nachkommen ausgerichtet sein. Oder, wie es Clemens von Alexandria bereits im dritten Jahrhundert ausdrückte: "Sexualität um eines anderen Zwecks als der Fortpflanzung willen auszuüben verstößt gegen die Natur."(3) Abgesehen davon, daß es biologisch einfach falsch ist, zu sagen, daß der natürliche Zweck der Sexualität in der Fortpflanzung bestehe(4), würde dieses Argument auch zu ähnlich absurden Konsequenzen führen wie die vorangegangenen. Denn nach dieser Überlegung müßten wir neben der Homosexualität auch Kontrazeptiva, Masturbation, Fellatio und Cunnilingus verbieten. Mehr noch: Angesichts der begrenzten Fertilität dürften Frauen nur noch während ihrer Ovulation und bis zur Erreichung der Menopause Geschlechtsverkehr haben, und Paare, bei denen einer der Partner unfruchtbar ist, müßten sogar ihr Leben lang enthaltsam bleiben.

Manche bezeichnen die Homosexualität auch als unnatürlich, weil sie "in der Natur" angeblich nicht vorkommt. Danach wären Homosexuelle also zu verurteilen, weil sie etwas tun, was Tiere nicht tun. Daß wir uns in Fragen der Moral am Verhalten der Tiere orientieren sollten, ist ein reichlich abstruser Gedanke. Er ist aber tatsächlich vertreten worden. So behauptete beispielsweise der heilige Petrus Damiani: "Von den Tieren sollen die Menschen lernen, welches Verhalten nachzuahmen und welches zu meiden ist."(5) Dieses Argument ist ähnlich abwegig wie die vorangegangenen. Erstens ist es schlichtweg falsch, daß die Homosexualität "in der Natur" nicht vorkommt: Viele Tiere, vor allem aber Affen, wie etwa die Bonobos, Paviane, Languren oder Makaken, zeigen eindeutet homosexuelles Verhalten.(6) Zweitens: Wer die Homosexualität allein deshalb verurteilt, weil sie in der Natur nicht vorkommt, muß konsequenterweise alles verurteilen, was in der Natur nicht vorkommt. Dazu gehörte dann aber auch, um nur ein Beispiel zu nennen, die Altersversorgung. Nach allem, was wir wissen, gibt es im gesamten Tierreich nicht eine einzige Art, in der sich die Jungen um die Alten kümmern würden. Und Drittens gilt hier selbstverständlich auch der Umkehrschluß: Wer alles, was in der Natur nicht vorkommt, für moralisch schlecht erklärt, muß folgerichtigerweise alles, was in der Natur vorkommt, für moralisch gut erklären. Dazu gehörten dann aber – neben der Homosexualität – beispielsweise auch Inzest, Infantizid und Kannibalismus. Alle diese Verhaltensweisen kommen in der Natur tatsächlich vor, aber wer wollte sie deshalb gutheißen?(7)

Bleibt noch das vielleicht älteste Argument, das der "Heiligen Schrift": Wir müssen die Homosexualität verurteilen, weil die Bibel sie verurteilt! Wer so argumentiert, steht offenbar auf dem Standpunkt, daß wir uns in allem nach der Bibel zu richten haben. Abgesehen davon, daß ein biblischer Fundamentalismus kaum mit den Idealen des politischen Liberalismus zu vereinbaren ist, würde das auch bedeuten, daß wir Homosexuelle nicht nur moralisch zu verurteilen, sondern sogar hinzurichten hätten. Denn das 3. Buch Mose, Kapitel 20, Vers 13, sagt ganz klar: "Wenn jemand bei einem Knaben schläft wie bei einem Weibe, haben beide einen Greuel getan und sollen des Todes sterben; ihr Blut sei auf ihnen." Mehr noch: Da die Bibel mit dem Todesurteil mehr als großzügig umgeht, müßten wir nicht nur Homosexuelle, sondern beispielsweise auch "Ehebrecher" hinrichten. Denn dasselbe Kapitel, das den Stab über Homosexuelle bricht, sagt im Vers 10 unmißverständlich: "Wer die Ehe mit Jemandes Weibe bricht, soll des Todes sterben, beide, Ehebrecher und Ehebrecherin." Wer jetzt sagt: "Nun, es muß ja nicht gleich die Todesstrafe sein!" würde sich selbst widersprechen und zugeben, daß wir doch nicht alles tun müssen, was die Bibel von uns verlangt. Wenn wir letztlich aber doch nicht tun müssen, was die Bibel von uns verlangt, müssen wir Homosexuelle auch nicht mit ihr belästigen.(8)

Soviel zu den Argumenten gegen die Homosexualität. Wie gezeigt, sind sie denkbar ungeeignet, um eine "Zwangsanwendung" unseres fiktiven Präparats zu rechtfertigen. Wie steht es nun aber um die Argumente für ein Verbot des Präparats?

Das stärkste Argument für ein Verbot des Präparats wäre selbstverständlich, wenn es den Kindern, die mit ihm behandelt werden, in irgendeiner Weise Schaden zufügen würde. Wie eingangs unterstellt, hätte das Präparat aber keinerlei Nebenwirkungen. Der einzige Effekt, den es hätte, wäre der, daß es Kinder, die sich homosexuell entwickeln würden, heterosexuell heranreifen ließe – und das wird, denke ich, kaum jemand als "Schadenszufügung" bezeichnen wollen.

Ein zweites Argument für ein Verbot des Präparats könnte lauten, daß es die natürliche Entwicklung des Kindes veränderte. Aber was heißt hier "natürliche Entwicklung"? Wenn das heißen soll, daß jeder Eingriff in die Entwicklung eines Kindes verboten sei, dürften wir nicht einmal mehr Impfungen zum Schutz vor Kinderlähmung geben. Zugegeben, Kinder, deren Mütter sich das Präparat injizieren ließen, würden sich anders entwickeln – heterosexuell statt homosexuell. Aber was ist falsch daran? Solange sie keinen Schaden nehmen, ist daran kaum etwas auszusetzen.(9)

Ein drittes Argument könnte behaupten, daß eine Freigabe des Präparats eine staatlich legitimierte Diskriminierung Homosexueller darstelle. Aber das ist falsch. Ein Recht, das Präparat verwenden zu dürfen, ist etwas anderes als eine Pflicht, das Präparat verwenden zu müssen. Lediglich eine Verwendungspflicht wäre Ausdruck einer staatlich legitimierten Diskriminierung.(10)

Als viertes Argument ließe sich vorbringen, daß es sich vielleicht nicht um eine Diskriminierung von Seiten des Staates, dafür aber um eine Diskriminierung von Seiten der Eltern handele, wenn sie das Präparat verwenden. Aber auch das kann man so nicht behaupten. Ich will nicht ausschließen, daß einige Eltern das Präparat verwenden würden, weil sie die Homosexualität nach wie vor als eine "Krankheit" oder "Perversion" betrachten. Doch viele Eltern würden das Präparat vermutlich einfach deshalb verwenden, weil sie sich Kinder wünschen, die – wie sie selbst – eines Tages heiraten, eine Familie gründen und ihnen Enkelkinder schenken. Und dieser Wunsch ist moralisch genauso unschuldig wie der Wunsch, lieber eigene Kinder zu zeugen als fremde Kinder zu adoptieren. Darüber hinaus mögen viele Eltern sogar ein geradezu altruistisches Motiv haben: Sie würden ihren Kindern ganz einfach all die Schwierigkeiten ersparen wollen, denen Homosexuelle immer noch ausgesetzt sind.

Wenn es keine Pflicht, sondern lediglich ein Recht gäbe, das Präparat zu verwenden, würde es auch in Zukunft noch Homosexuelle geben, nur sicher weniger. Als fünftes Argument für ein Verbot des Präparats ließe sich daher anführen, daß eine zahlenmäßige Reduzierung Homosexueller den Kampf gegen die Diskriminierung erschweren würde. Aber auch das ist nicht überzeugend. Wie die Geschichte zeigt, hat das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Unterdrückern und Unterdrückten wenig mit dem Ausmaß der Diskriminierung zu tun: Obwohl es schon immer etwa genausoviele Frauen wie Männer gab, hat es sie doch nie vor dem Sexismus bewahrt. Und dasselbe gilt vom Rassismus: Obgleich die Schwarzen in Südafrika die Mehrheit bildeten, konnten sie doch von einer Minderheit Weißer unterdrückt und ausgebeutet worden.(11)

Das sechste Argument, das man für ein Verbot des Präparats vorbringen könnte, ist mit dem fünften verwandt und ließe sich etwa folgendermaßen formulieren: Wenn wir erst einmal verhindern können, daß Homosexuelle geboren werden, wird unsere Gesellschaft aufhören, sich um ihre Belange zu kümmern. Aber das muß nicht sein. Die Pränatale Diagnostik und unsere liberale Abtreibungspraxis haben dazu beigetragen, daß weniger behinderte Kinder geboren werden, aber das hat uns keineswegs daran gehindert, Rehabilitationszentren einzurichten und die Lebensbedingungen Behinderter zu verbessern.(12)

Das siebente und letzte Argument, das ich erwähnen möchte, ist eher psychologischer Natur und besagt, daß die Verwendung des Präparats verboten werden sollte, weil sich viele Homosexuelle verletzt fühlen würden. Daß sich viele Homosexuelle gekränkt oder gar angegriffen fühlen mögen, ist sicher wahr. Ich sehe aber nicht, daß dies einen hinreichenden Grund für ein gesetzliches Verbot abgeben könnte. Viele fühlen sich durch die Werbung verletzt, in der fast alle Menschen jung, schlank und schön sind – aber ist das ein hinreichender Grund, diese Form von Werbung zu verbieten? Wohl kaum.(13)

Nach alledem komme ich also zu dem bereits vorweggenommenen Schluß, daß wir das Präparat weder gesetzlich verordnen noch gesetzlich verbieten sollten, sondern es einfach den Eltern zu überlassen haben, ob sie von ihm Gebrauch machen wollen.

Abschließend möchte ich noch ganz kurz auf eine vielleicht überraschende, aber nichtsdestotrotz doch logische Konsequenz meiner Argumentation hinweisen. Von einem Präparat zu sprechen, mit dessen Hilfe wir eine homosexuelle Veranlagung in eine heterosexuelle verwandeln können, setzt voraus, das wir den biologischen Mechanismus verstanden haben, der der sexuellen Orientierung zugrunde liegt. Wenn wir aber erst einmal den zugrundeliegenden Mechanismus verstanden haben, sollten wir eigentlich auch in der Lage sein, eine heterosexuelle Orientierung in eine homosexuelle zu verwandeln. Und so taucht denn plötzlich die Frage auf, was wir mit einem Präparat machen sollten, das es Eltern ermöglicht, ihre potentiell heterosexuellen Kinder in homosexuelle zu verwandeln. Da die Homosexualität nach meiner Auffassung überhaupt kein moralisches Problem aufwirft und homosexuelle Kinder die gleichen Aussichten auf ein glückliches und erfülltes Leben haben wie heterosexuelle, kann die Antwort darauf nur lauten: Wir sollten dieses Präparat weder gesetzlich verordnen noch gesetzlich verbieten, sondern es einfach den Eltern überlassen, ob sie es verwenden wollen.(14)

Anmerkungen:

(1) Wer sich einen Überblick zur Geschichte, Gegenwart und Zukunft der biologischen Forschung auf dem Gebiete der Homosexualität verschaffen möchte, sei auf Simon LeVay Queer Science: The Use and Abuse of Research into Homosexuality. Massachusetts Institute of Technology Press, Cambridge 1996, verwiesen.
(2) Biologie des menschlichen Verhaltens. Grundriß der Humanethologie. Piper, München 1986, S. 311. Ähnlich argumentiert auch Michael Levin Why Homosexuality Is Abnormal. In: Steven Luper-Foy / Curtis Brown (Eds.) The Moral Life. Harcourt, Fort Worth 1992, 202-208.
(3) Zitiert nach Volker Sommer Wider die Natur? Homosexualität und Evolution. C. H. Beck, München 1990, S. 51.
(4) Siehe z. B. George C. Williams Plan and Purpose in Nature. Weidenfeld & Nicolson, London 1996; Matt Ridley The Red Queen: Sex and the Evolution of Human Nature. Macmillan, New York 1994; und Jared Diamond Why Is Sex Fun? The Evolution of Human Sexuality. 1997.
(5) Zit. n. V. Sommer Wider die Natur?, a.a.O., S. 56.
(6) Siehe z. B. Meredith F. Small Female Choice. Sexual Behavior of Female Primates. Cornell University Press, Ithaca 1993; Frans de Waal / Frans Lanting Bonobo:The Forgotten Ape. University of California Press, Berkeley 1997.
(7) Wer näher gezeigt bekommen möchte, wohin es führen würde, wenn man die Natur zum alleinigen Richter über Gut und Böse machte, lese Wolfgang Wickler Die Biologie der Zehn Gebote. Warum die Natur für uns kein Vorbild ist. Piper, München 1993.
(8) Zu den zahlreichen Problemen einer christlichen Moralbegründung siehe z.B. Kai Nielsen Ethics Without God. (Revised Edition) Prometheus, New York, 1990. Wer sich für die Einstellungen anderer Religionen zur Homosexualität interessiert, sei auf Arlene Swidler (Ed.) Homosexuality and World Religions. Trinity Press, Philadelphia 1993. hingewiesen.
(9) Vgl. Lawrence Crocker Meddling with the Sexual Orientation of Children. In: Onora O’Neill / William Ruddick (Eds.) Having Children. Philosophical and Legal Reflections on Parenthood. Oxford University Press, New York 1979, 145-154.
(10) Vgl. Timothy F. Murphy Reproductive Controls and Sexual Destiny. In: Bioethics 4: 121-142, 1990.
(11) Vgl. Timothy F. Murphy Abortion and the Ethics of Genetic Sexual Orientation Research. In: Cambridge Quarterly of Healthcare Ethics 4: 340-350, 1995.
(12) Vgl. Norbert Hoerster Abtreibung im säkularen Staat. Argumente gegen den Paragraphen 218. (Zweite Auflage) Suhrkamp, Frankfurt/M. 1995.
(13) Am 27. Mai 1994 haben Taubstumme vor dem Children’s Hospital of Eastern Ontario in Ottawa, Kanada, dagegen protestiert, daß Eltern ihren gehörlosen Kindern "bionische Ohren" implantieren lassen. Sie fühlten sich durch den Versuch, taubgeborenen Kindern das Hören zu ermöglichen, verletzt und behaupteten, daß diese Kinder ein Recht darauf hätten, taub zu bleiben. The Ottawa Citizen vom 28. Mai 1994.
(14) Die Möglichkeit eines "Präparats" wie das, von dem ich in diesem Aufsatz gesprochen habe, setzt natürlich voraus, daß die Homosexualität tatsächlich eine biologische Grundlage hat. Da die verschiedenen biologischen Theorien zur Genese der Homosexualität jedoch nach wie vor umstritten sind, könnte jemand meinen, daß die hier angestellten Überlegungen reine Spiegelfechterei seien. Doch das ist falsch. Wenn die Psychologen entdecken würden, daß eine bestimmte Erziehungsmethode darüber entscheidet, ob ein Kind später einmal homosexuell oder heterosexuell wird, hätten wir dieselben oder zumindest doch sehr ähnliche Überlegungen anzustellen.